Hintergrund

Eine völkerrechtlich verbindliche Grundlage für eine gleichberechtigte Teilhabe von Akademikerinnen mit Behinderung im Wissenschaftsbereich existiert seit Inkrafttreten des „Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ (UN-Behindertenrechtskonvention) im Jahr 2008. Die deutsche Bundesregierung hat die UN-BRK 2009 ratifiziert und erkannte damit die Notwendigkeit an, auch in Deutschland die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen an allen Belangen der Gesellschaft zu verbessern. Das Projekt des Hildegardis-Vereins fußt insbesondere auf dieser gesetzlichen Grundlage.

"Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen ohneDiskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung,Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen haben. Zu diesem Zweckstellen die Vertragsstaaten sicher, dass für Menschen mit Behinderungen angemesseneVorkehrungen getroffen werden. UN-BRK, Paragraph 24, Abs. 5.

Das Thema Behinderung hat jedoch noch immer weder im hochschulpolitischen noch im universitären Raum ausreichend Aufmerksamkeit gefunden. Das liegt vor allem daran, dass viele Betroffene ihre Beeinträchtigung und ihren Unterstützungsbedarf nicht öffentlich machen: In Befragungen ist so ersichtlich geworden, dass zwar fast 60 Prozent der Teilnehmenden beeinträchtigungsbedingt starke und sehr starke Studienerschwernisse angeben, aber nur 24 Prozent der Studierenden wenigstens ein behindertenspezifisches Beratungsangebot der Studentenwerke, der Hochschulen oder der studentischen Selbstverwaltung nutzen. 44 Prozent nehmen die notwendige Beratung nicht in Anspruch, weil sie ihre Beeinträchtigung nicht offen legen wollen; 36 Prozent empfinden das Angebot als nicht ansprechend.

Mentoring

Hier setzt die Arbeit des Hildegardis-Vereins an: Zwischen 2008 und 2013 führte er das mehrfach ausgezeichnete, bundesweit erste „Mentoring-Programm für Studentinnen mit Behinderung und chronischer Krankheit“ durch. Zwischen 2013 und 2016 folgte das innovative und modellhafte Tandem-Projekt „Lebensweg inklusive: KompetenzTandems für Studentinnen mit und ohne Behinderung“. 

Beide Projekte zeichneten sich aus durch:

  • generationenübergreifende Förderbeziehungen im Tandem,
  • Peer-Prozesse in der Gruppe der gleichaltrigen Studentinnen
  • den Austausch mit externen Inklusions- und Gleichstellungs-Expert*innen.

Die Projekte verfolgten auf Basis eines stärkenorientierten Empowerment-Ansatzes das Ziel, Studentinnen mit und ohne Behinderung auf ihrem Bildungs- und Karriereweg dazu zu ermutigen, ihre Studienwahl und ihr Berufsziel den eigenen Talenten entsprechend zu verfolgen und nicht von Geschlechter- und anderen Stereotypen beeinflusst zu wählen.

 Als Folgeprojekt wurde schließlich das Fachkolleg "Inklusion an Hochschulen - gendergerecht" entwickelt, um neben den biografischen Maßnahmen auch strukturell an den Hochschulen anzusetzen.